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Warum Regionalität Sinn macht

Heutzutage ist es ja kein Problem beim Supermarkt um die Ecke, beim kleinen Laden im Dorf, ja sogar beim Minimarkt an der Tankstelle, das ganze Jahr durchgehend die selben Produkte einzukaufen. Da gibt es im Winter Erdbeeren aus Marokko, Tomaten aus den Niederlanden, Paprika aus Israel, …. Der globalen Marktwirtschaft sei Dank haben wir nicht mehr die Qual der Wahl. Wir kaufen, wozu wir gerade Lust haben. 

Leider hat dieses Kaufverhalten großen Einfluss darauf, wie sich die Dinge entwickeln...

Ich möchte daher hier ein Plädoyer auf die Regionalität schreiben und einige gute Gründe anführen, warum wir unser Handeln in dieser Sache dringend überdenken sollten:

 

Argument 1 – das Geschmackserlebnis:

Vergleichen wir geschmacklich Lebensmittel, die natürlich gewachsen sind, mit richtiger Erde in Berührung kamen und in Regionen angebaut wurden, die ihnen regional entsprechen mit Produkten, die in Glashäusern in Nährlösungen gezogen wurden, karge Böden hatten und nur durch künstliche Bewässerung überhaupt reifen konnten, so wird schnell klar, dass es zu ersterem eigentlich keine Alternative geben kann. Die Geschmacksintensität, das Aroma und die satten Farben sind ein Fest für den Gaumen und bei vielen der Produkte kann man die Sonne richtig schmecken. Es stimmt das Gesamtpaket.

Anders bei konventionell, marktwirtschaftlich optimiertem Anbau.

Die Früchte schmecken oftmals seltsam leer, geradezu hohl, sind wässrig und farblich blass. Beim Biss in die heiß ersehnte Köstlichkeit wird leider oft schnell klar, dass die Erwartung auf den Genuss nicht erfüllt wird. Wie könnte er auch? Nüchtern betrachtet kann eine Frucht, die all die Voraussetzungen einer langsamen und natürlichen Reifung nicht hatte gar nicht so gut schmecken wie wenn die Mutterpflanze in einem Acker stehen durfte und dort die Nährstoffe aus Boden und Luft aufnehmen konnte, Wind und Wetter ausgesetzt war und die entsprechende Zeit hatte, um ihre Früchte optimal zu entwickeln.

Schlussfolgerung Nummer 1 – lokale Lebensmittel schmecken besser!

Argument 2 – die biologische Vielfalt:

Tatort Supermarkt. Das vorherrschende Sortiment an Obst und Gemüse ist Anbieter unabhängig beinahe deckungsgleich. Rispentomaten, Cocktailtomaten, eventuell Fleischtomaten – alle schön rot und gleich in Größe und Form. Zucchini, Karotten, Gurken, Salat. Äpfel, Bananen, Erdbeeren, Mango, Orangen, Trauben. Immer gleich, immer verfügbar. Während der Sommermonate dann doch ein paar saisonale Highlights zum Standardangebot...

Wir wiegen uns in Vielfalt, glauben, viele Wahlmöglichkeiten zu haben. Doch bei genauerem Hinsehen stellt man schnell fest, dass es immer die gleichen Sorten sind, die angeboten werden. 

 

Am Beispiel Äpfel ist das sehr anschaulich zu erleben:

Es gibt weltweit zwischen 6500 und 7500 verschiedene Sorten. Wie viele davon kennst du?

Die bekanntesten – weil am unempfindlichsten, am leichtesten anzubauen und gut zu lagern – sind Idared, Pink Lady, Granny Smith, Gala, Golden Delicius, Braeburn, Jonagold und Elstar. Warum ist das so? Weil das genau jene Sorten sind, die in jedem Supermarkt zum Verkauf angeboten werden!

 

Wer hat schon etwas vom Batullenapfel, von Edelkönig oder Herzogin Olga gehört? Wem sind Sorten wie Karmeliterrenette, Weißer Wiesling oder Nancy ein Begriff?

Genau das ist der Punkt. Wer nie oder nur selten regionale Produkte einkauft, fördert das Artensterben!

Die Nachfrage regelt den Markt. Und was nie nachgefragt wird (weil es gar nicht bekannt ist) wird auch nicht angeboten (was ja gar nicht beabsichtigt wird). So bringen wir uns selbst um eine Vielzahl von besonderen Geschmackserlebnissen und unterstützen dadurch all jene Händler, die nicht darauf abzielen möglichst gute Produkte zu verkaufen, sondern jene Produkte ins Sortiment aufzunehmen, die einfach in der Produktion sind, am leichtesten zu lagern sind und das beste Preis-Leistungs-Verhältnis haben. So einfach wie möglich, mit minimalem Aufwand die beste Rendite.

Schlussfolgerung Nummer 2 -  Der Kauf regionaler Produkte fördert den Erhalt der Artenvielfalt!

 

Argument 3 – die gesundheitliche Wirkung:

 

Natürlich stecken in allen Obst- und Gemüsesorten Vitamine und Mineralstoffe. Im einen mehr, im anderen weniger. Trotzdem ist es gut, wenn wir einen Blick darauf werfen, welche Produkte zu welchem Zeitpunkt wachsen. Und vor allen Dingen, wo sie wachsen. Einzelne Lebensmittel haben unterschiedliche Wirkungen auf unseren Organismus. Das ist nichts Neues. Trotzdem achten nicht viele Menschen darauf, wie bestimmte Produkte auf sie wirken.

 

Es macht beispielsweise einen großen Unterschied, ob ich Tomaten, Gurken oder Melonen im Sommer oder im Winter esse. Und es gibt gute Argumente, warum Kartoffel, Bohnen, Pflaumen und Kastanien bevorzugt im Herbst und Winter gegessen sollten. Die Antwort auf die Frage „Warum?“ ist die thermische Wirkung, die diese Lebensmittel auf uns haben. So genannte Sommergemüse wie oben genannte aber auch Ananas, Kiwi, Orangen, Brokkoli, Spargel und Spinat bestehen zu einem hohen Prozentsatz aus Wasser und haben dadurch einen kühlenden Effekt auf unseren Stoffwechsel. Anders als Zwiebel, Fenchel und Kürbis, die durch eine kompaktere Fruchtstruktur einen wärmenden Einfluss auf unseren Körper ausüben.

 

Wenn wir nun darauf achten, welche Produkte regional Saison haben, dann wird mancher einer erstaunt feststellen, dass es eine fantastische Übereinstimmung zwischen Jahreszeit und der Reifung bestimmter Obst- und Gemüsesorten in der eigenen Region gibt. Nämlich genau jener Früchte, die den Körper unterstützend das geben können, was er zum aktuellen Zeitpunkt gerade braucht. Im Sommer kühlende Frische und im Winter nährende Wärme.

 

Das führt auch den Irrglauben ad absurdum, dass Zitrusfrüchte im Winter besonders gut für die Gesundheit sind:

Orangen und Mandarinen wachsen in Ländern und Gegenden, die meist konträre Jahreszeiten durchlaufen. Orangen sind etwas Wunderbares. Wenn sie gut sind, schmecken sie saftig, süß und fruchtig. Ein richtiger Genuss. Aber sie sind auch Sommerkinder und wirken dadurch kühlend. Wenn wir also in Österreich im Winter vermehrt Südfrüchte wie Orangen essen, weil wir glauben, der Vitamin C-Gehalt hilft uns besser über die Grippezeit, müssen wir auch bedenken, dass dieses Obst unseren Körper kühlt und damit angreifbarer macht für Infekte aller Art. Alternativlösung?

Der Fenchel -  ein tolles Wintergemüse -  beinhaltet große Mengen an Vitamin C und wirkt wärmend. Welchem Produkt sollte ich also den Vorzug geben?

Schlussfolgerung Nummer drei - Regionale Produkte sind besser für unsere Gesundheit!

 

 

Argument 4 – Abfallreduzierung:

Der Einkauf bei regionalen Anbietern hat den großen Vorteil, dass die einzelnen Produkte oft Plastikfrei angeboten werden.

Obst und Gemüse werden sowieso meist vor Ort abgewogen und in Papiertüten an den Kunden abgegeben. Lebensmittel wie Brot oder Milch bekommt man üblicherweise ebenfalls in Papiertüten bzw. in wiederverwertbaren Glasflaschen. Bei Fleisch kommt man zwar leider aus hygienischen Gründen um eine Verpackung aus Plastik nicht herum, es sei denn, man bringt seinen eigenen Behälter von zuhause mit und lässt sich die Sachen direkt dahinein abfüllen.

 

Die Tatsache, dass vor allem Plastik ein wirklich großes weltweites Umweltproblem darstellt, sollte schon genügen, um diesen Vorteil des regionalen Einkaufs zumindest gelegentlich zu nutzen. Und wenn man darauf achtet, wie viel Plastik im Lebensmittelhandel sinnloser Weise zum Einsatz kommt, ist ein persönlicher Beitrag dieser Art ein sehr wertvolles Statement zum Thema Müllvermeidung.

Schlussfolgerung Nummer 4 -  Das Kaufen regionaler Produkte leistet einen wichtigen Beitrag zur Abfallreduzierung!

 

 

Argument 5 – der Klimaschutz:

Die Politik der aktuellen Marktwirtschaft zielt immer darauf ab, mit möglichst geringem Aufwand möglichst viel Gewinn zu lukrieren. Der Gewinnmaximierung wird alles andere untergeordnet. Viele Menschen vertreten eine resignierte Grundhaltung nach dem Motto: Das ist halt so heutzutage. Was kann ich als einzelne Person schon groß daran ändern?

 

Meiner Meinung nach sehr viel!

 

Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, bestimmt immer die Nachfrage den Markt. Wenn also viele Menschen Produkte kaufen, die für die Produktion quer durch Europa gekarrt werden, nur um dadurch die Produktionskosten niedrig zu halten, dann füttert das ein System, das keine Wertschätzung für Nachhaltigkeit und Lebensqualität zeigt.

 

Ein Beispiel für perfekte Gewinnmaximierung par excellence:

Wusstest du zum Beispiel, dass Krabben, die in der Nordsee gefangen werden, nach Nordafrika zum Schälen gebracht werden, weil dort die Arbeit billiger ist? Weil dort Frauen (vor allem Frauen!) und Männer zu Bedingungen und Löhnen arbeiten, die in unseren Breitengraden inakzeptabel wären? Und dass nach dem Putzen und Schälen das Gut per LKW (Transit!) wieder nach Europa in die großen Supermärkte gekarrt wird, um dort teuer verkauft zu werden?

 

Dieses Beispiel allein (und es gibt hunderte andere) zeigt, dass es sehr Wohl die Möglichkeit für jeden einzelnen gibt, seinen persönlichen Beitrag zu gesellschaftlichen Bedingungen und Klimaschutz zu leisten! Der Kauf regionaler Produkte vermindert im konkreten Einzelfall den Ausstoß an Schadstoffen, die durch Transportfahrzeuge verursacht werden um ein Vielfaches. Wenn vorrangig im eigenen Land heimische Produkte gekauft werden, wird der Transit enorm reduziert – einfach weil viele Wege überflüssig werden! Dadurch werden weniger fossile Brennstoffe für die Herstellung und den Transport von Lebensmitteln verbraucht.

Schlussfolgerung Nummer 5 -  Wer regional kauft, trägt aktiv zum Klimaschutz bei!

 

Argument 6 – die Wirtschaft:

In den vorhergehenden 5 Punkten habe ich immer wieder die gängige Wirtschaft ins Visier gerückt.

Vieles von dem, wie wir heute leben (können) verdanken wir verbesserten wirtschaftlichen Bedingungen und dem Umstand, dass der Absatzmarkt größer geworden ist. Leider haben aber die neoliberalistischen Marktbedingungen der letzten Jahrzehnte nicht dazu beigetragen, dass diese positiven Veränderungen für alle gelten.

 

Im Gegenteil: die Schere zwischen einigen mächtigen und reichen Nutznießern und vielen armutsgefährdeten Leidtragenden ist immer größer geworden. Dass die weltpolitische Lage heute so chaotisch ist, basiert zu einem großen Teil auf dem Umstand, dass wenige viel bzw. immer mehr wollen und der Rest der Menschheit darunter zu leiden hat.

 

Es liegt mir fern, an dieser Stelle eine Abhandlung darüber zu schreiben, was meiner Meinung nach  politisch und wirtschaftlich alles schief läuft und was wir (als mündige Staatsbürger des eigenen Landes) dazu beitragen sollten und auch könnten (!), um die Lage zu verbesern. Vielmehr möchte ich einen Denkanstoß dahingehend geben, dass der Einkauf regionaler Produkte Produzenten im eigenen Land fördert und stärkt!

Das vorherrschende Machtgefälle zwischen den kleinen, auf Nachhaltigkeit bedachten Anbietern und den großen, auf Umsatz und Gewinnmaximierung konzentrierten Konzernen, kann verändert werden und sich zugunsten der Kleinen verbessern. Wenn du und ich und viele andere Personen dazu beitragen!  Wer bei Bauernmärkten, Direktvermarktern oder regionalen Lebensmittel-Initiativen kauft, leistet einen wertvollen Beitrag zum Erhalt wirtschaftlicher (Rand)Regionen und unterstützt damit die heimische Wirtschaft.

Schlussfolgerung Nummer 6 - Der Erwerb regionaler Produkte stärkt die eigene Region und fördert eine autarke und heimische Marktwirtschaft! (Stichwort: Arbeitsplätze)

 

 

Mein persönliches Anliegen ist heute daher, dich dafür zu gewinnen, zugunsten der Nachhaltigkeit, der Artenvielfalt, der Menschlichkeit (ein unerwähnter Punkt im Artikel, der dennoch sehr wesentlich ist, basierend auf der Frage: Wie kann ich für mich selbst vertreten, dass Menschen in anderen, ärmeren Ländern zu unmenschlichen Bedingungen arbeiten und ausgebeutet werden, nur damit ich Produkte billig kaufen kann?) und der eigenen Wertschätzung öfter zu regionalen Produkten zu greifen beziehungsweise den Einkauf vom Supermarkt um die Ecke auf den Wochenmarkt im Ort zu verlegen.

 

Heutzutage will niemand mehr Geld für Lebensmittel ausgeben. Alles soll immer noch billiger werden und trotzdem soll möglichst viel vom Gewünschten im Einkaufskorb landen. Mit dieser Grundhaltung richten wir uns zugrunde!

Noch vor wenigen Jahrzehnten war es üblich, ca. ein Drittel bis zur Hälfte(!) des Haushaltseinkommens für den Erwerb von Lebensmittel auszugeben. Ich will damit nicht sagen, dass das auch heute noch so sein soll. Ich finde es großartig, dass es verschiedenste technische Neuerungen gibt, die den Herstellern von Lebensmitteln die Arbeitsbedingungen erleichtern. Aber es ist eine Gratwanderung zwischen dem was die Bedingungen verbessert zum Wohle aller und dem was nur mir als Endkonsument eines Industrielandes etwas bringt, weil ich vergessen habe, das Gesamtpaket im Auge zu behalten.

 

Es geht – wie der Name schon sagt – um LEBENSmittel. Also Produkten, die lebendig sind, bevor sie konsumiert werden und denjenigen lebendig halten sollen, der sie isst.

 

Wenn wir nicht darauf achten, welche Qualität (und da spielen die Bedingungen, wie etwas produziert wird eine wesentliche Rolle!) auf unseren Tellern landet und wir nicht bereit sind, etwas mehr Geld für gute Produktionsbedingungen auszugeben, sehe ich wenig Hoffnung, die Abwärtsspirale in der Landwirtschaft aufhalten zu können.

 

Und ganz im Ernst: Kannst du dir vorstellen, dass wir irgendwann nur mehr chemisch produzierte Nahrung aus Plastiktütchen zu uns nehmen. Das dann dafür billig aber mit minimalem Mehrwert??

 

 

In diesem Sinne wünsche ich allen ein genussreiches Wochenende! 😉

 

Deine Katrin

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