· 

Vom Sinn des Abnehmens

Für viele von uns ist das Thema Abnehmen ein tagtäglicher Begleiter. 

Was im Zusammenhang mit Gesundheit und Wohlbefinden natürlich durchaus Sinn macht und auch wünschenswert ist, wenn es darum geht, Wohlbefinden und Fitness auf einem guten Niveau zu halten, möchte ich hier aber auch in einem größeren Zusammenhang betrachten.

Viel zu wenig Beachtung findet meiner Meinung nach nämlich der Punkt Warum habe ich eigentlich Übergewicht?“

Etliche KlientInnen, die zu mir kommen, beklagen, dass sie trotz gesunder Lebensweise und ausreichender Bewegung im Alltag (durch sportliche Betätigung und alltägliche Abläufe, bei denen sie in Bewegung sind), keine Möglichkeit finden, Gewicht zu verlieren. Warum?

Ich habe mich lange und eingehend mit dieser Frage beschäftigt und festgestellt, dass es vor allem 2 Zusammenhänge sind, die diesen Umstand hervorrufen:

  1. Der körperliche Zusammenhang

Wenn wir essen, achten wir im Normalfall selten darauf, was uns guttut. Sehr oft liegt das Hauptaugenmerk auf Empfehlungen von außen im Sinne von verallgemeinerten Tipps. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) z.B. empfiehlt, viele Kohlenhydrate zu essen – möglichst abwechslungsreich mit hohem Vollkornanteil und wenig Fleisch. Andere Empfehlungen gehen in Richtung kleine Mahlzeiten, die öfter über den Tag verteilt gegessen werden sollten. Dann gibt es spezialisierte Gruppen, die Empfehlungen publizieren wie zum Beispiel die Rohköstler, die Veganer, die Paleoanhänger usw. Das Angebot an Tipps ist ausgesprochen vielfältig geworden. Das ist gut so. Es bringt aber die Problematik mit sich, dass eigentlich immer verallgemeinert wird und das vielfach nicht individuell passt! 

Nun hat der Nicht-Experte leider selten Ahnung davon, was ihm guttut. So werden dann oft verschiedene Tipps in einen Topf geworfen und vermischt und als Quintessenz entsteht ein totales Gewurstel an persönlichem Essverhalten, das nicht zufrieden macht und die Gewichtszunahme fördert.

Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch individuelle Ernährungsbedürfnisse hat. Und was für den einen genau richtig ist, kann für den anderen genau falsch sein. Die ideale Menge an Kohlehydraten, Fett und Eiweiß kann beachtlich differieren und macht sich, wenn nicht darauf geachtet wird, meist in Form von unerwünschter Gewichtszunahme bemerkbar. Um herauszufinden, welche dieser Komponenten erhöht oder reduziert werden muss, empfiehlt sich zum einen eine Stoffwechselanalyse und zum anderen Achtsamkeit gegenüber dem eigenen Körper.

Ohne diese Bausteine kann meiner Meinung nach keine sinnvolle und nachhaltige Ernährungsumstellung erfolgen.

Das ist das Eine.

Eine weitere körperliche Komponente, die viel zu wenig mit Übergewicht in Zusammenhang gebracht wird, ist der tagtägliche Stress, dem die meisten von uns ausgesetzt sind. 

Das kann Stress im konkreten Sinne sein, der stattfindet, wenn wir zu viel in zu wenig Zeit erledigen wollen/müssen. Das kann aber auch rein fiktiver Stress sein, den wir uns selber aufhalsen, wenn wir Glaubenssätze verankert haben, die uns in ein Verhalten zwingen, das uns nicht entspricht.

Dieser fiktive Stress ist meiner Meinung nach sogar noch wesentlich ungesünder als der tatsächliche, weil er immer da ist. Unseren Kopf können wir nicht abschrauben und beiseitelegen, nur weil Feierabend ist oder wir die Beine für eine viertel Stunde hochlegen. Unser Verstand arbeitet ununterbrochen und solange uns nicht bewusst ist, was uns boykottiert, haben wir keine Handhabe etwas zu unternehmen. 

Rein physiologisch gesehen, blockiert Stress die Fettverbrennung. 

Es ist inzwischen wissenschaftlich erwiesen, dass Menschen, die vermehrt Stress ausgesetzt sind (z.B. Personen, die im Schichtbetrieb arbeiten und viel Verantwortung bei der Ausübung ihrer Tätigkeiten haben), vermehrt zu Übergewicht neigen. Und das ist auch durchaus verständlich:

Für den Organismus ist Stress immer ein Zeichen von Gefahr. Bei Gefahr wird das Hormon Adrenalin ausgeschüttet und damit das System auf Fluchtbereitschaft oder Angriff programmiert. Um die physische Umsetzung von Flucht oder Kampf zu gewährleisten, werden die körpereigenen Reserven (sprich unsere Fettdepots) zusammengehalten, damit im Falle einer Umsetzung der Programme genügend Energie vorhanden ist, um den Körper am Leben zu erhalten. So simpel ist das.

Natürlich ist ein solches Verhalten in den seltensten Fällen tatsächlich notwendig. Aber das weiß der Körper ja nicht. Und so wird munter gespeichert, was nicht gespeichert werden sollte, Kohlenhydrate in Fett umgewandelt und für schlechte Zeiten bereitgestellt und der Körperumfang wächst und wächst kontinuierlich.

Es ist also mehr als empfehlenswert, den eigenen Körper zu beobachten, sein Essverhalten zu hinterfragen und auf Stressreduktion zu achten. Das ist der erste Schritt in die richtige Richtung, wenn jemand abnehmen will.

 

 

Neben der physiologischen Komponente gibt es für mich aber noch einen anderen – mindestens gleich wichtigen – Umstand beim Thema abnehmen, auf den ich nachfolgend eingehen möchte.

 

  1. Der seelische Zusammenhang

Wie bereits erwähnt, sind Gewohnheiten, Denkmuster und Glaubenssätze wesentliche Komponenten, die vielen Menschen das Abnehmen erschweren. Meiner Erfahrung nach liegt das vor allem daran, dass sie die Umstände für ihr Scheitern immer nur im Außen suchen und viel zu wenig berücksichtigen, was sie energetisch und/oder seelisch blockiert. 

Das ist nur allzu verständlich. Zum einen sind wir alle darauf trainiert, dass es für beinahe jedes Problem eine materielle Lösung gibt. Zum anderen ist es schlicht und ergreifend einfacher, Stoffwechselvorgänge, schlechte Fettverbrennung, schwere Knochen oder Ähnliches dafür verantwortlich zu machen, dass dieser verflixte Körper nicht so reagiert und aussieht, wie man gerne möchte. Eine Tablette zu schlucken, einen Eiweißshake zu trinken oder eine zeitlich begrenzte Diät zu machen ist allemal weniger Aufwand, als sich mit den eigenen Verhaltensmustern zu beschäftigen.

Tatsächlich ist es aber so, dass ein Zuviel an Körpermasse oft ein indirekter Schutz ist, den die Person braucht, um sich gegen die Einflüsse ihrer Umwelt abzugrenzen.  

Manchmal ist auch ein Mehr an physischer Substanz notwendig, um die belastenden und anstrengenden Herausforderungen des Lebens überhaupt bewältigen zu können… 

Das Bewusstmachen solcher Tatsachen, das Auseinandersetzen mit belastenden Umständen, werfen dann oft – unbequeme – Fragen auf:

  • Könnte ich das Pensum an Leistung, das von mir verlangt wird erbringen, wenn ich dünner wäre? Brauche ich diesen „Schutzpanzer“ vielleicht, um nicht endgültig zu kapitulieren?

 

  • Wer oder was (im Sinne von „welche Situationen“) üben regelmäßig Druck auf mich aus? 

 

  • Wo gegen muss ich mich wehren? (oder glaube ich zumindest, es zu müssen?) 

 

  • Wieviel leiste ich immer und immer wieder, obwohl es über meine persönlichen Grenzen geht? Kann ich das auch, wenn ich mich noch zusätzlich selber beim Essen kontrollieren muss? Will ich das überhaupt?!

Diese Innenschau ist unerlässlich, wenn abnehmen wirklich Sinn machen soll.

Da geht es um persönliche Ursachenforschung, ums Spüren, was mir guttut – und was nicht. 

Es geht um Akzeptanz sich selber gegenüber und Akzeptanz dessen, dass es jetzt – im Moment – eben so ist, wie es ist. 

Es geht um Verantwortung. Verantwortung sich selbst gegenüber und Verantwortung gegenüber dem was ich tue, was ich nicht tue und wie ich mein Leben lebe. Und dass ich dazu stehen kann.

Gewichtsabnahme soll ja wünschenswerterweise nachhaltig bleiben. Darüber sind sich, glaube ich, alle Menschen mit Übergewicht einig.

Damit das möglich wird, appelliere ich an jeden, der betroffen ist, damit anzufangen, sich selbst zu lieben. Ganz egal, wie die körperliche Hülle aussieht – der individuelle Mensch, der in dieser Hülle steckt, ist immer einzigartig und hat wunderbare, unverwechselbare Qualitäten und Eigenschaften!

Das vergessen wir leider viel zu oft.

Mit Akzeptanz und Achtsamkeit, mit dem Hauptaugenmerk darauf, was mir guttut, klappt´s auch mit dem Abnehmen!

Das meint im Ernst,

 

Deine Katrin

Kommentare: 0