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Der alltägliche K(r)ampf mit den Süßigkeiten - Muss das so sein?

Neulich in der Bank am Schalter – Zuckerln (für die Kinder). Vor kurzem in der städtischen Bücherei – Schleckereien (für die Kinder). 

Heute im Tier(!)Fachgeschäft an der Kassa – Lutscher (für die Kinder).

 

Wohin man auch kommt - Apotheken, Fachgeschäfte verschiedenster Art, Tankstellen -  die Verführung zum Konsum von süßen Leckereien ist allgegenwärtig. Was in vielen Geschäften als Service und kleine Aufmerksamkeit für den Kunden angeboten wird, kann schnell zur alltäglichen Krux werden. Sogar in Kindergärten und Volksschulen ist es durchaus üblich, die anvertrauten Zöglinge mit Bonbons oder Traubenzucker für ihr Mithelfen beim Aufräumen oder fürs „Bravsein“ zu belohnen. 

 

Das mag durchaus nett gemeint sein, macht es den Eltern aber beinahe unmöglich, dem gegenwärtigen Trend zum schnellen Befriedigen momentaner Gelüste Einhalt zu gebieten. Als gesundheitsbewusste Eltern fühlen sich Frauen und Männer oftmals wie eine Art Don Quichote im Kampf gegen Windmühlen. 

 

Mich für meinen Teil ärgert das!

Wenn man so wie ich, ein Kind hat, das gerne nascht aber Süßigkeiten in größerer Menge aus verschiedenen Gründen nicht gut verträgt (Zucker bedingt nun einmal oft Hyperaktivität, Übergewicht und diverse Gesundheitsbelastungen!), ist man ständig im Zugzwang. Und die Diskussionen über JA oder NEIN und wenn NEIN – WARUM? ermüden einfach!

Als Elternteil ist man ohnehin ständig irgendwelchen Tipps und Belehrungen von Seiten so genannter „Experten“ ausgesetzt: Gesunde Ernährung, mehr Sport, regelmäßige Bewegung, wenig Junkfood, usw. Die Liste kann beliebig erweitert werden. Ob in Zeitschriften, Tageszeitungen, Fachblättern, Werbungen, Radio oder Fernsehen – die „Experten“ wissen ganz genau, was gut und richtig für uns und unsere Kinder ist. 

 

Schade nur, dass die Verantwortung, diese wertvollen Tipps umzusetzen, ausschließlich den Eltern aufgebürdet wird! Und die sind oftmals damit überfordert...

 

Ein Bewusstsein dafür, dass die gesellschaftlichen Strukturen sehr viel dazu beitragen, wie die Dinge laufen, existiert nicht. Schlimm genug, dass in sehr vielen Lebensmitteln – und vor allem in Produkten, die explizit Kindern zugeordnet werden – Unmengen von (verstecktem) Zucker enthalten ist und der Konsument somit an der Nase herumgeführt wird, wenn er nicht informiert und interessiert genug ist, um sich mit den Zutaten Listen einzelner Produkte näher zu befassen. Nein, es muss auch noch sonst ständig und überall möglich sein, Ungesundes und nachweislich Gesundheitsschädliches zu erhalten. (Und da meine ich noch nicht einmal die käuflichen Naschereien, die strategisch optimal platziert an den Kassen dargeboten werden...)

 

 

Und die Kinder?

 

Den Kindern kann man dabei keinen Vorwurf machen – wie sollten sie es besser wissen? Die Süßigkeiten schmecken gut, sind hübsch anzusehen und erfreuen das kleine Herz (zumindest für kurze Zeit). Wer also nicht das Glück hat, in einem Familienverband aufzuwachsen, der eine kritische Einstellung zu Konsum und den angebotenen Lebensmitteln hat, wo frisch gekocht wird und Obst und Gemüse regelmäßig auf dem Speiseplan stehen, kann da schnell einmal in die Schieflage geraten. Ein Zuckerl hier, ein Nutellabrot dort, einen (vermeintlich) gesunden Müsliriegel zur Jause…. – da wird es schnell schwierig, den nach DGE-Richtlinien (=Deutsche Gesellschaft für Ernährung) festgelegten Idealbereich des BMI-Index (Body-Mass-Index; setzt die Körpergröße ins Verhältnis zum persönlichen Gewicht) einzuhalten. Kommen dann noch Bewegungsmangel und einseitige Ernährung dazu, befindet sich das betroffene Kind schnell in der Übergewichtsspirale. Und das wünscht sich niemand! Abgesehen davon ist es eine Tatsache, dass zuviel Zucker zu Hyperaktivität und Ruhelosigkeit beiträgt (bzw. meiner Meinung nach oftmals sogar verursacht). Und wer das aus eigener Erfahrung kennt, wenn Kinder "auf Zucker" sind, kann nachvollziehen, wie anstrengend das für alle (auch die Kinder!) Beteiligten ist...

 

Was kann man also tun, um diesen unerfreulichen Bedingungen entgegen zu wirken? Welche Möglichkeiten haben Mutter und Vater, um eigenverantwortlich gegensteuern zu können?

 

 

Bewusstseinsbildung!

 

Das Zauberwort heißt Bewusstseinsbildung!

Wenn das Kind weiß und das auch selber gut findet, dass viel Süßes nicht gesund ist, ist es von vornherein einfacher, den Verlockungen zu widerstehen. 

Wie erreiche ich aber solch eine Einsicht auf kindlicher Seite? 

 

Vorleben!

80% der angelernten Verhaltensmuster basieren auf Nachahmung! Das heißt im Klartext: Wenn die Eltern viel Obst und Gemüse essen, auf ausgewogene Ernährung geachtet wird und Kuchen, Schokolade und Süßigkeiten zur besonderen Ausnahme gehören, wird das Kind ziemlich sicher nicht von selber ständig nach Sachen verlangen, die in diese Produktgruppe fallen. Wir sind als Erwachsene also gefordert, vor der eigenen Tür zu kehren und eine gewünschte Veränderung bei uns selbst zu beginnen! (Ein erster Schritt dahin ist z.B. eine Stoffwechselanalyse

 

Nicht stigmatisieren!

Es bringt meiner Meinung nach nichts, wenn irgendetwas verteufelt wird. Durch die Aura des Verbotenen werden jene Dinge, die vermieden werden sollten erst recht interessant. Und die Gefahr, dass heimlich genascht wird bzw. jede Möglichkeit genutzt wird, um an Süßigkeiten zu gelangen ist groß.

Viel besser ist es da, wenn der Fokus auf etwas anderes verlagert wird – z.B. Obst und Gemüse als kleinen Snack zwischendurch.

Um das für Kinder attraktiv zu machen, lohnt es sich unter Umständen, die gesunden Leckereien aufzuschneiden und nett und appetitlich herzurichten – ein Gesicht aus Früchten auf den Teller zu legen oder die geschnittenen Gemüsestangerln mit einem leckeren Dip anzubieten. Der Spaßfaktor sollte dabei auch nicht zu kurz kommen: Kinder lieben es, wenn sie mithelfen dürfen! Und eine mit Mama oder Papa selbst zubereitete fruchtig frische Jause hat in jeder Hinsicht eine völlig andere Qualität als ein schnell in den Mund gesteckter Lutscher. Wenn man belohnen will, kann man auch Zeit statt Zucker schenken – in Form von gemeinsamen Spielen, basteln oder kleinen Unternehmungen, die allen Beteiligten Spaß machen. 

 

Und auf gesellschaftlicher Ebene?

 

Ansprechen!

Mir ist schon klar, dass es einer gewissen Portion Mut bedarf, um seine persönliche Meinung in der Öffentlichkeit kund zu tun. Es ist allerdings so, dass sich ohne eine Mitteilung der eigenen Haltung zu Dingen wie dem ständigen (unnötigen) Zuckerüberangebot an den verschiedensten Stellen, nichts ändern wird. Ja, es KANN gar kein Umdenken stattfinden, da sich die meisten Menschen, die in diesen Betrieben arbeiten, gar keine Gedanken dazu machen. Nach dem Motto: Das ist eben so und damit ist gut. 

 

Wenn ich aber an der Kassa stehe und die Verkäuferin darauf anspreche, was mir auffällt und sie damit konfrontiere, dass die angebotenen Süßigkeiten nicht unbedingt zum Wohle der Kinder, die sie bekommen, beitragen und es wesentlich angenehmer und einfacher für uns Eltern wäre, wenn dieses Angebot gar nicht erst vorhanden ist, dann bewirke ich möglicherweise etwas. 

 

Gut, es kann sein, dass ich gebeten werde, mit dem Filialleiter zu sprechen und dieser Person meine Argumente zu unterbreiten. Es ist auch möglich, dass ich gebeten werde, eine schriftliche Stellungnahme an die Geschäftsleitung zu schicken. Und ja, das ist vielleicht lästig und braucht etwas Zeit. Aber hey – es geht schließlich um unsere Kinder! Und um unsere Nerven! (Die ja auch gerne ein bisschen geschont werden wollen, da der Alltag meist genug Gelegenheiten mit sich bringt, wo wir gefordert werden, oder?! 😉) 

 

Die Vorstellung, in Zukunft nicht mehr in Diskussionen mit meiner Kleinen verwickelt zu werden, ob sie denn nun ein Zuckerl haben darf oder nicht und das Wissen darüber, dass ich meinem Kind (und mir) dadurch einiges an schlechten Gefühlen ersparen kann, bewegt mich persönlich zum Handeln! Wir können uns nicht immer darauf verlassen, dass jemand anders unangenehme Dinge für uns regelt. Das müssen wir schon selbst in die Hand bzw. in den Mund nehmen! 

 

 

Fazit

 

 Es gibt sehr wohl Möglichkeiten, in solchen Situationen selbst etwas dazu beizutragen, dass sich Dinge zum Positiven verändern. Aber auch hier – wie so oft – bleibt es mir nicht erspart, eine bewusste Grundhaltung einzunehmen und Eigenverantwortung zu übernehmen!

 

Und wer weiß? Vielleicht dient mein Engagement ja anderen Eltern als Vorbild und hilft ihnen dabei, ebenfalls für die Dinge einzustehen, mit denen sie nicht einverstanden sind. Hören wir doch bitte auf, unser Licht und unseren persönlichen Einfluss darauf, wie die Dinge laufen, klein zu reden. Gehen wir hin und tun wir etwas dagegen!

 

Das meint im Ernst,

 

Deine Katrin

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Birgit (Donnerstag, 05 Juli 2018 15:52)

    Liebe Kathrin, super Bericht ��.
    Ich sitze selber an der Kassa und wir verschenken keine Süßigkeiten. Es ist heutzutage wirklich schwierig den richtigen Weg zu gehen. Es fällt mir persönlich auch schwer dem Zucker zu wiederstehen, obwohl ich weis, dass er nicht gesund ist. Mich schockiert , dass bereits Volksschüler gewisse Energietrinks kaufen und das fast täglich. Es gibt leider kein Gesetz, damit ich es ihnen verbieten kann. Ich frage schon, ob die Eltern das erlauben, doch ist noch nie ein nein gekommen. Lehrpersonen erzählen mir, dass heutzutage die Kinder in der Nachmittagsschule so aufgedreht sind, dass sie es kaum noch schaffen Ruhe in das Klassenzimmer zu bekommen. Tja, ich kann mir schon vorstellen, welche Ursache diese Unruhe hat. Aber was mache ich als einzelne Person? Zuschauen- da liegt die Verantwortung bei den Eltern? Und ich glaube auch, dass sie oftmals gar nicht wissen, für was ihre Sprösslinge das Taschengeld verwenden. Für mich stellt sich die Frage, wie in deinem Bericht geschrieben-wird es ihnen vorgelebt? Oder ist es das Argument, dass der Energiedrink billiger als ein Mineralwasser 0,5l ist??? Viel Verantwortung liegt sicherlich bei der Vermarktung und Industrie. Wo setzen wir an???
    In diesem Sinne esse ich jetzt eine Banane und freue mich schon auf den Kurs bei dir und auf weitere gute Tipps
    Alles liebe Birgit

  • #2

    Katrin (Donnerstag, 05 Juli 2018 18:37)

    Liebe Birgit, danke für dein Statement! Wie du selber richtig beobachtest, sind hier sowohl Industrie als auch Gesetzgeber gefordert, im Sinne unserer Kinder und Jugendlichen verantwortungsvoller zu handeln! Die Leidtragenden sind letzten Endes ja immer die Endkonsumenten - also die Kinder selbst. Gegenwirken können wir hier, wie im Artikel erwähnt, durch Bewusstseinsbildung im Kleinen und unser eigenes Konsumverhalten! (siehe dazu auch meinen letzten Artikel "Warum Regionalität Sinn macht") Ich halte es da mit Steven Bico, dem südafrikanischen Freiheitskämpfer, der einst sagte: Du kannst eine Kerze ausblasen, aber ein Feuer zu löschen ist schon viel schwieriger!" In diesem Sinne hoffe ich, dass die Zahl derer, die wachsam sind und sich gegen dieses System auflehnen größer wird. Gemeinsam können wir etwas bewegen! Ganz liebe Grüße, Katrin